Wallfahrtskirche "Zu den drei elenden Heiligen"

in Dietfurt / Griesstetten im Naturpark Altmühltal



Bereits im 12. Jh. läßt sich hier die Verehrung der "Drei elenden Heiligen" nachweisen. "Elend" bedeutet hier "ausländisch, aus der Fremde kommend". Um das Jahr 1140 kamen zwei schottische Benediktiner, der Priester Zimius und der Laienbruder Vimius, von ihrem Kloster St. Jakob in Regensburg ins untere Altmühltal. Im nahen Einsiedel ließen sie sich nieder und erbauten dort mit Erlaubnis ihres Abtes Demetrius ein Haus mit einen Oratorium. Den beiden schloß sich später noch der Prior von St. Jakob , Pater Marinus, an. Sie waren Glaubensboten in Wort und Tat, und ihr Ruf "als wahre Benediktiner" verbreitete sich rasch im ganzen unteren Altmühltal. Zahlreiche Menschen kamen mit ihren unterschiedlichsten Anliegen zu ihnen und fanden Hilfe.
1153 starb Pater Marinus, und seine Mitbrüder begruben ihn im Oratorium in Einsiedel. Sein Grab entwickelte sich in Kürze zu einem Wallfahrtsort für die Bewohner der umliegenden Ortschaften. Durch die vielen Besucher wurden die beiden anderen in ihrem klösterlichen Leben zu sehr gestört. Abt Christian III. ließ deshalb hier in Griesstetten zu Ehren des hl. Bischofs Martin eine kleine Kapelle errichten, in welche der Leichnam des seligen Marinus eine neue Ruhestätte fand. Nach einer Volkslegende schwammen seine Gebeine flußaufwärts bis zum neu erbauten Gotteshaus. Ein Jahr später starben auch Vimius und Zimius. Sie wurden ebenfalls hier in der Kirche begraben. In den folgenden Jahrhunderten standen die "Drei elenden Heiligen" hoch in Ehren, und unzählige Wallfahrer baten hier um deren Fürsprache bei Gott in den verschiedensten leiblichen und seelischen Nöten.
1212 erwähnt ein Schutzbrief Kaiser Friedrichs II. Griesstetten mit der Kapelle und dem Einsiedelhof als Besitz der Schotten von St. Jakob in Regensburg.
Der Dreißigjährige Krieg brachte schwere Not. Die Kirche Griesstetten wurde 1633 von schwedischen Truppen geplündert und stark beschädigt. Nach dem Westfälischen Frieden konnte sie mangels Geld nur notdürftig vor dem gänzlichen Verfall bewahrt werden. Erst 1689 erlebte die Gnadenstätte eine neue Blüte. Der damalige Weihbischof von Regensburg, Albert Ernest Graf von Wartenburg, interessierte sich sehr für die "Drei elenden Heiligen". Er ließ auf seine Kosten eine Legende der drei Mönche in deutscher Sprache verfassen und drucken. Im Juli des gleichen Jahres kam er persönlich zusammen mit Abt Plazidus Fleming nach Griesstetten und ließ in der Kirche nach den Gräbern suchen. Vor dem Altar, wo nach der Überlieferung Marinus begraben sein sollte, stieß man bald auf einen Sarg aus dicken Brettern, dessen Deckel bereits stark verfault war, während sich die übrigen Teile gut erhalten hatten. Die Gebeine lagen noch in ursprünglicher Ordnung im Sarg, der Benediktinerhabit, eine Seidenalbe und das priesterliche Kleid waren gut erkennbar. Auch die Gebeine der beiden Gefährten fand man am überlieferten Ort. Die sterblichen Überreste der drei Mönche wurden daraufhin gesondert und mit dem jeweiligen Namen versehen, in einem großen gemeinsamen Sarg hinter dem Hochaltar in der Mauer eingeschlossen, "so daß sie den gläubigen zu frommen Verehrung zugänglich waren".


Wallfahrtskirche Griesstetten im Altmühltal


In der Barockzeit erlebte die Wallfahrt eine neue Blüte. Die Schottenmönche errichteten in Griesstetten ein kleines Seminar, und 1718 sah die Kapelle sogar eine Priesterweihe. Bald erwies sich das Gotteshaus als zu klein; Abt Bernhard Baillie (1721-1748) erwirkte daraufhin von Kardinal Johann Theodor, Bischof von Regensburg und Freising, 1740 die Erlaubnis zum Bau einer neuen größeren Wallfahrtskirche. Die Bauleitung hatte Pater Anton Stuart vom Schottenkloster Regensburg inne, die Bauausführung lag in den Händen des Mauerermeisters Johann Georg Fuchs und des Zimmermanns Johann Schlutt, beide aus Riedenburg. Geldmangel und die Wirren des Österreichischen Erbfolgekriegs verzögerten die Arbeiten. Erst 1747 konnte der Bau unter Dach gebracht werden. Bald darauf zeigte es sich, daß das Chorgewölbe den ursprünglich sehr hoch gebauten Turm nicht tragen konnte. 1750 mußte er deshalb zur Hälfte wieder abgerissen werden. Noch im gleichen Jahr schloß man dann sämtliche Bauarbeiten ab. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 3.000 Gulden.
Die Reliquien der drei schottischen Mönche hatte man während der Bauzeit in das Dietfurter Franziskanerkloster verbracht. 1766 kamen sie nach Griesstetten zurück und fanden ihren Platz wiederum in der Mauer hinter dem Hochaltar. 1783 verlegte man sie in eine Mauernische auf der Evangelienseite. Bald nach Vollendung des Baues zogen sich die Schottenmönche aus Griesstetten zurück.
Die Kirche wurde unter dem Namen "Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Martin" vorläufig nur benediziert und erst am 17.9.1836 konsekriert.
1849 ließ die Gemeinde Griesstetten drei große Reliquienkästen mit schön gefaßten Wachsfiguren der "Drei elenden Heiligen" anfertigen. In ihnen sollten die Gebeine an den Seitenwänden oder an den drei Altären zur Verehrung aufgestellt werden. Das Vorhaben scheiterte jedoch weil die Gemeinde einen eigenen Festtag für die drei Heiligen wünschte. Dazu hätte jedoch ein Heiligsprechungsprozeß in Rom eingeleitet werden müssen, was aber Griesstetten wegen der hohen Kosten unterließ. Erst 1858 gelang es die Bedenken gegen eine öffentliche Verehrung zu zerstreuen und eine bischöfliche Genehmigung zu erwirken. Ein Dekret des Regensburger Bischofs Ignatius von Senestey vom 11.11.1861 erlaubte, die Reliquien neu zu fassen, sie öffentlich aufzustellen und ihnen einen Kult zu erweisen, "der durch die älteste Tradition geheiligt ist". Auf seine Anordnung hin wurden nun die Reliquien im Kloster St. Klara in Regensburg neu gefaßt. Die Kaseln sind nach einem Schnitt gearbeitet, wie er zu Lebzeiten der heiligen gebräuchlich war. In der Brust einer jeden Figur, deren Kopf und Hände aus Wachs gefertigt sind, ruhen die Gebeine in einem Zinksarg, der mit den bischöflichen Siegeln verschlossen ist. In jedem der Glasschreine befindet sich die gedruckte Authentik, die auch in der Kirche links vom Eingang zu sehen ist. Am 2.7.1862 fand die feierliche Übertragung der neugefaßten Reliquien vom Franziskanerkloster in Dietfurt an ihren heutigen Platz statt.