Kapuzinerkirche
"Zum Hl. Kreuz und Zum Hl. Grab Christi"

in Eichstätt im Naturpark Altmühltal



Eine Kirche zum Heiligen Kreuz stand ehedem in Eichstätt an Stelle eines altgermanischen Quellenheiligtums am Edelbach. Dorthin wurden um 875 die Gebeine der heiligen Äbtissin Walburg von Heidenheim am Hahnenkamm (+25.2.779) überführt, und seitdem trägt diese Kirche, die sich zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort entwickelte, den Namen dieser Heiligen.
Domprobst Walbrun von Rieshofen ließ um 1166 eine genaue Nachbildung des Heiligen Grabes Christi in Jerusalem im Osten von Eichstätt errichten und um dieses Grab eine Rundkirche erbauen, die wiederum den Titel "Zum Heiligen Kreuz", erhielt mit dem Zusatz "und zum Heiligen Grab Christi"; Bischof Otto konsekrierte sie 1194. Schottenmönche, also Benediktiner aus Irland, die bereits in Regensburg (seit 1075), Würzburg (seit 1134), Wien (seit 1161) und an anderen Orten Niederlassungen hatten, kamen hierher, bezogen das für sie errichtete Kloster und betreuten dazu ein Leprosenhaus für heimkehrende kranke Kreuzfahrer.
Die Eichstätter Niederlassung entwickelte sich zur Propstei, die der Regensburger Schottenabtei unterstand. Die Namen der Pröpste sind teilweise bekannt. In einer Urkunde von 1441 werden bauliche Veränderungen am Äußeren der Kirche. Um 1460 muß die Propstei, deren Einkünfte durch Abgaben zugunsten eines Leprosenhauses sehr zusammengeschmolzen waren, leer gestanden sein. Die Augustinerinnen sollten wurde sie 1483 dem Augustiner-Chorherrenstift Rebdorf bei Eichstätt übergeben, das sie aber auch nicht lange am Leben erhalten konnte. Die Truppen des Herzogs Moritz von Sachsen plünderten 1552 das Kloster und entweihten die Kirche. Zwei Jahre später konsekrierte Weihbischof Leonhard Haller drei Altäre. Der heilige Papst Pius V. überwies 1566 die Einkünfte der Propstei dem neugegründeten Eichstätter Tridentischen Seminar. Noch 1601 wird ein Mesner an der Kirche erwähnt, aber 1611 mußte sie wegen Baufälligkeit geschlossen werden.
Bischof Johann Konrad von Gemmingen (1593-1612) hatte 1610 durch den Augsburger Baumeister Elias Holl den Plan für einen Neubau anfertigen lassen. Doch zur Ausführung kam es erst, als Bischof Johann Christoph von Westerstetten (1612-1636) die Kapuziner nach Eichstätt berief. Am Feste Kreuzauffindung, dem 3.3.1623, wurde der Grundstein zur neuen Kirche gelegt. Sie wurde allerdings nicht mehr nach den Plänen Holls als Rundkirche, sondern nach den Vorschriften des Kapuzienerordens im einfachen Barockstil als Längskirche erbaut. Baumeister war der Kapuziner P. Stephan von Ellwangen. Bereits am 12.10.1625 wurde sie durch den Augsburger Bischof Heinrich von Knöringen konsekriert.
Der Grundriß zeigt einen Rechteckbau mit eingezogenem, gerade abschließendem Chor. Die Kirche ist 27 m lang, 10 m breit und 13 m hoch. Die Westfassade ist unterbrochen durch zwei übereinander stehende Fenster. Unter diesen führt ein schlichtes Portal mit toskanischen Piastern und Karniesgesiems in das Innere. Nach Ordensvorschrift trägt der Chor, der 1905 um ein Stockwerk erhöht wurde, einen kleinen Dachreiter mit einer Glocke.
Im Innern der Kirche zeigt das Langhaus drei Fensterachsen. Auf einem leicht vorspringenden Gesims ruht das ungegliederte Tonnengewölbe, dem ein Netz von steigenden Schrägkassetten aufgemalt ist. Gegen die Grabkapelle zu ist das Gewölbe von einer breitausladenden Stichkappe unterbrochen (die gegenüberliegende Stichkappe ist nur aufgemalt!) der Chor ist 5,50 m lang, 6,00 m breit, 9,80 m hoch und hat ein Kreuzgratgewölbe. Fünf stichbogige Fenster mit leicht getönten Antikglasscheiben erhellen Chor und Langhaus.


Kapuzinerkirche in Eichstätt im Altmühltal


Das Heilige Grab

Die rechte Seitenwand der Kirche öffnet sich in hohem Bogen zu einem mächtigen Seitenschiff, das wie eine zweite Kirche. Auch dieser Raum zeigt im Grundriß ein Rechteck mit geradem Abschluß, einer Fensterachse und einfachen, ungeteilten Tonnengewölbe. Die Länge beträgt etwas über 14 m, die Breite 8 m und die Höhe 11 m.
Auf dem schweren Querbalken unter dem Bogen steht eine Kreuzigungsgruppe, die einen harmonischen Übergang von der Kirche zum Heilig-Grab-Raum herstellt. Unweit eines kleinen neuromanischen Altares deckt eine Steinplatte den Zugang zu der bis 1837 benützten Totengruft. In einer Mauernische steht die Statue des hl. Bruders Konrad (1818-1894), die ein Münchner Künstler 1930 schuf.
Der Steinbau des Heiligen Grabes ist eine 4,10 m hohe Anlage mit Rundbogenfries in halber Höhe und plattgeformtem Abschluß. Die Galeriebrüstung und das Laternerntürmchen auf der Plattform stammen zwar aus neuerer Zeit, entsprechen aber einer alten Tradition. Rings an den Wänden befinden sich 13 Kreuzwegstationen (die 14. ist das Hl. Grab selbst) in Fresko von Br. Rudolf Wankmüller. Die Bilder zeigen einfache Konturen und stehen an Farbklang dem Triumphbogengemälde in der Kirche nicht nach.
Das Heilige Grab in Eichstätt ist nicht die einzige und nicht die erste Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem. Von 800-1900 wurden in Deutschland ungefähr 50 solcher Nachbildungen hergestellt. Aber das Eichstättter Grab ist die besterhaltene und zeigt am genauesten den baulichen Zustand, den das Heilige Grab in Jerusalem im 12. Jh. hatte. Dort wurde das Hl. Grab mehrere Male zerstört, wenn auch immer wieder die eigentliche Grabanlage in der ursprünglichen Gestalt errichtet wurde. Die Hochstimmung des 2. Kreuzzuges (1147) wird wohl Domprobst Walbrun veranlaßt haben, im Osten von Eichstätt um 1160 das heilige Grab mit Kirche und Kloster bauen zu lassen.
Das Innere der Grabanlage besteht aus einem Vorraum mit Apsis und aus der eigentlichen Grabkapelle. Der Vorraum hat drei Eingänge. Die mittlere Tür ist rundbogig, hat geraden Türsturz und ein Tympanon mit Palmetten und Prismenband. Der kleine, bartlose Männerkopf im Tympanon wird auf Domprobst Walbrun gedeutet. Die beiden Seitentüren an den Schmalseiten haben geraden Sturz ohne Gliederung. Neben ihnen erhellen noch zwei kleine, rundbogige Schlitzfenster den Raum. Innerhalb des Vorraums liegt ein Stein von 0,56 m Seitenlänge, der auf den Stein des Engels in hl. Evangelium hinweisen soll. Die Decke ist als Kreuzgratgewölbe gestaltet. Zwischen Vorraum und Grabkapelle wölbt sich eine halbrunde Apsis mit Halbkuppel, von einem Kämpfergesims aus Platte und Schräge umlaufen. Ein auffallend niederer und schmaler Zugang (1,53 m hoch und 0,52 m breit) ohne Profil führt zur Grabkammer. Dort steht zur Rechten eine Steinbank (0,80 m hoch und 0,70 m tief), die eigentliche Grabesstätte. In der linken Seitenwand ist einen 0,42 m hohe und 0,46 m breite Mauernische, die wohl ursprünglich als Verwahr für Reliquien (Kreuzpartikel), dann als Opferkasten diente.