Jura-Museum in der Willibaldsburg

in Eichstätt im Naturpark Altmühltal



Aquarienraum

Der Aquarienraum schlägt eine Brücke zwischen der versteinerten Tierwelt der Jura-Zeit und der heutigen Tierwelt.
Das große "Korallenfisch"-Aquarium soll zu Vergleichen mit den fossilen Fischen der Solnhofener Plattenkalke anregen, von denen manche auch an kleinen Korallenriffen, auf alle Fälle aber in einem räumlich gegliederten Lebensraum, lebten. Es ist daher nicht verwunderlich, daß teilweise ähnliche Gestalttypen auftraten. Sie beruhen jedoch nicht auf Verwandtschaft, sondern auf Konvergenz, d. h. sie haben sich unabhängig voneinander entwickelt. So finden wir etwa den "Kaiserfisch-Typus" in Eomesodon oder den "Drückerfisch-Typus" in Mesturus. Wahrscheinlich waren auch viele der "primitiveren" Fische der Jurazeit ähnlich bunt gefärbt wie die heutigen Formen, die alle zu den modernen Knochenfischen Aquarium im Juramuseum in Eichstätt im Altmühltal im engeren Sinn gehören.
Die beiden Aquarien in den Fensternischen geben eine Vorstellung vom Aussehen lebender Korallen. Man sieht sowohl solche, die ein Kalkskelett ausscheiden, also riffbauende Korallen, als auch Weichkorallen ohne ein hartes Skelett. Alle diese Formen leben in Symbiose mit mikroskopisch kleinen, einzelligen Algen (Zooanthellen), die sie in ihr Gewebe aufgenommen haben. Die Algen nehmen Stoffwechselprodukte der Korallen auf und liefern umgekehrt den Tieren Sauerstoff und lebenswichtige Nährstoffe, die sie unter Ausnutzung des Sonnenlichts produzieren.
Von besonderem Interesse sind natürlich die "lebenden Fossilien". Zu ihnen gehört das Perlboot oder Nautilus, der letzte Überlebende einer über 500 Millionen Jahre alten Kopffüßer-Gruppe, der Nautiloideen. Ihr gekammertes Gehäuse erinnert an des der Ammoniten, die erst später, vor etwa 400 Millionen Jahren, erschienen. Die Ammoniten lebten jedoch in flachem Wasser, während der Nautiloideen Bewohner tieferen Wassers waren. Damit hängt wahrscheinlich ihr Überleben zusammen. Das katastrophale Ereignis, das am Ende der Kreidezeit unter anderem zum Aussterben der Ammoniten führte, hat offenbar die Tiefwasser-Bereiche viel weniger in Mitleidenschaft gezogen. Der im Aquarium gezeigt Nautilus pompilius bebt bei den Philippinen normalerweise in einer Wassertiefe von 150-400 m. Er steigt aber nachts vielfach in flacheres Wasser von etwa 100m Wassertiefe auf, wo das Nahrungsangebot größer ist. Die Nahrung besteht wahrscheinlich vorwiegend aus Aas, sowie Häutungshemden von Krebsen. Im Aquarium werden die Tiere hauptsächlich mit toten Garnelen gefüttert.
Neben dem Nautilus-Aquarium werden fossilie Nautiloideen gezeigt. Man sieht dort, daß die früheren Formen (Orthoceras, Endoceras) gerade gestreckte Gehäuse hatten. Cyrtoceratites mit einem kurzen, leicht gekrümmten Gehäuse trug dieses wahrscheinlich wie ein Schneckengehäuse und bewegte sich kriechend über den Boden. Die Formen aus dem Erdmittelalter (Germanonautilus, Cenoceras, Pseudaganides) gleichen mit ihren spiralig aufgewundenen Pfeilschwänze im Jura-Museum in Eichstätt im Altmühltal Gehäusen im westlichen schon dem heutigen Nautilus.
In einem Aquarium links vom Eingang werden heute lebende Pfeilschwänze (Limulus polyhemus) zum Vergleich mit den fossilien Formen aus den Solnhofener Plattenkalken (Mesolimulus walchi) gehalten. Wie Sie sich überzeugen können, unterscheiden sich die beiden nicht sehr wesentlich voneinander. Limulus kommt an der Ostküste Nordamerikas vor. Außerdem gibt es noch 3 weitere Pfeilschwanz-Arten im Pazifik.
Die Gitterwand schräg gegenüber zeigt unter anderem zwei Häutungshemden (Exuvien) von Pfeilschwänzen, die sich im Aquarium gehäutet haben. Bei der Häutung platzt der Vorderrand des Panzers auf, und das Tier schlüpft heraus. Der alte Panzer bleibt dabei mit allen Körperanhängen erhalten. Bei den fossilien Pfeilschwänzen aus den Solnhofener Plattenkalken (Mesolimulus) kann man daher nicht sicher sagen, ob es sich um die Tiere selbst oder nur ihre Häutungshemden handelt.
Ebenfalls "Lebende Fossilien" sind die Knochenhechte (Lepisosteus oculatus). Sie gehören, wie die meisten Fischarten des Jura, zu den Knochenganoidfischen. Deutlich erkennt man die in schrägen Reihen angeordneten dicken Schmelzschuppen, die sie beibehalten haben, obwohl ihr Innenskelett bereits vollständig verknöchert ist. Zum Vergleich ist an der gegenüberliegenden Gitterwand ein großes Stück des Schuppenpanzers eines riesigen Schmelzschuppers (Lepidotes maximus) aus den Solnhofener Plattenkalken ausgestellt. Die Knochenhechte verkörpern wie die Schnabelfische (Aspidorhynchus, Belonostomus) der Solnhofener Plattenkalke den schlanken Raubfisch-Typus. Ihre Heimat sind Seen und Flüsse Nordamerikas. Vor etwa 50 Millionen Jahren, im Eozän, kamen Knochenhechte auch noch in Europa vor, wie das ausgestellte Exemplar eines Atractosteus strausi aus der Grube Messel bei Darmstadt beweist.
Im Aquarienraum sind außerdem noch weitere große Fische aus den Solnhofener Plattenkalken zu sehen.